WVS im Interview: „WIR WOLLEN DIE STIMME DES MITTELSTANDS IN UNSERER REGION SEIN“

30. Januar 2022

„WIR WOLLEN DIE STIMME DES MITTELSTANDS IN UNSERER REGION SEIN“

Wie geht es der Wirtschaftsvereinigung für den Kreis Steinfurt (WVS) in Zeiten der Pandemie? Warum sind Netzwerke heute wichtiger denn je, und warum sollten sich Unternehmen ausgerechnet in der WVS engagieren? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt der Geschäftsführer des Verbandes, Heiner Hoffschroer, im Interview mit Wirtschaft aktuell. Herr Hoffschroer, ein nicht unbeträchtlicher Teil der WVS-Aktivitäten hat etwas mit dem Netzwerkgedanken zu tun. Wie erleben Sie vor diesem Hintergrund die aktuellen Entwicklungen in der Pandemie? Noch nie war Netzwerken so wertvoll wie zurzeit. Das sieht man auch daran, dass die Leute nach einer anfänglichen Schockstarre zu Beginn der Pandemie förmlich nach einer Vernetzung in der digitalen Welt gelechzt haben. Aber es war auch noch nie so anstrengend und zeitraubend. Die Vorteile der digitalen Vernetzung liegen auf der Hand: Wegfall der Reisezeit, Vergrößerung des Einzugsgebietes und mehr Anonymität bei den Teilnehmenden. Auch bei uns hat sich der Einladungszirkel schlagartig vergrößert. Seit April 2020 kooperieren wir – nicht nur – im Onlinebereich eng mit dem Wirtschaftsverband Emsland, dem AIW im Westmünsterland und dem AAN am Niederrhein. Unsere Informationsangebote erreichten dabei Betriebe von Papenburg bis Moers und von Lotte bis zur niederländischen Grenze. Aber natürlich ist auch in der digitalen Welt nicht alles Gold, was glänzt.

Was meinen Sie konkret?
Der ursprüngliche Vernetzungsgedanke leidet. Der so wichtige Smalltalk beim zufälligen Treffen auf dem Parkplatz oder am Stehtisch fehlt leider komplett – und das beklagen unsere
Mitglieder auch zunehmend. Das persönliche Miteinander hat in den Lockdowns sehr gelitten. Daher wurden die Präsenzveranstaltungen, die wir im Sommer dann doch anbieten
konnten, sehr, sehr gut angenommen.  Und: Man merkte sehr deutlich, dass diejenigen, die sich angemeldet hatten, auch ein wirklich echtes Interesse an dem persönlichen
Austausch in der jeweiligen Sache hatten.

Gab es für Sie auch ganz persönlich etwas, das Sie in den Pandemie-Monaten neu gelernt haben?
Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich einmal regelmäßig als Moderator vor der Kamera stehen würde, um online Veranstaltungen zu begleiten, hätte ich das vermutlich nicht geglaubt. Trotzdem hieß es zu Beginn der Pandemie dann: „Spot an, Kamera läuft!“ und ich wurde einfach ins kalte Wasser geschubst. Aber da wächst man rein. Heute gehe auch ich mit diesen Dingen deutlich gelassener um als im Frühjahr 2020.

Sie deuten es an, die WVS hat sich schon frühzeitig auf die Veränderungen, die die Pandemie mit sich bringt, eingestellt. Wie haben Sie das erlebt?

Die Umstellung auf die digitale Kommunikation war keine Frage des Wollens, sonderndes Müssens. Neu war dabei fast alles. Zoom, Teams, Go-To-Meeting und und und – damit hatten wir zuvor wenig Berührungspunkte. Digitalkameras, Beleuchtung, Ton – alles wichtige Punkte, damit die Qualität stimmt. Was wir als WVS und auch ich persönlich gelernt haben: Veränderungen bieten auch Chancen. Wir als WVS haben diese Chancen genutzt und 2020 und 2021 ein extrem breites und vielfältiges Angebot platziert.

Sie haben in den vergangenen Wochen auch verschiedene Spitzenpolitiker interviewt. Was bleibt davon?

Es ist zwar nett, mit Spitzenpolitikern in die Diskussion zu treten, aber am Ende sind das teflonbeschichtete Vollprofis. Ein Christian Lindner, ein Hubertus Heil oder ein Jens Spahn lässt ich bei uns vor der Kamera nicht aufs Glatteis führen und geheime Dinge entlocken. Das muss man wissen. Für mich persönlich waren die Online-Veranstaltungen mit Entscheidern aus unserer Region eigentlich spannender. Zu hören, wie Nicola Warning von KTR oder Heike Schürkötter vom TV Emsdetten mit der Krise umgehen, war richtig interessant.

Gibt es für Sie denn ein Highlight aus den vergangenen Monaten?
Ein Highlight war aus meiner Sicht das digitale Info-Format, das wir zu Beginn der Pandemie mit der Bundesagentur für Arbeit zum Thema Kurzarbeitergeld auf die Beine gestellt haben. Es waren knapp 15 Online-Veranstaltungen, an der jeder, der Interesse hatte – also nicht nur WVS-Mitglieder –, teilnehmen konnte. Und die Resonanz war enorm. Für viele der Veranstaltungen hatten wir mehr Anmeldungen als Plätze, daher haben wir mit der Bundesagentur und den Betrieben eine Liste mit Antworten auf die häufig gestellten Fragen auf den Weg gebracht, die von Veranstaltung zu Veranstaltung immer erweitert und aktualisiert wurde – ein wirklich tolles Projekt.

Was wird aus dieser Zeit bleiben?
Insbesondere die digitalen Angebote werden bleiben – sie werden sogar noch weiter ausgebaut. Es wird nie wieder eine Welt geben, wie wir sie noch Weihnachten 2019 für selbstverständlich hielten. Vieles wird digital einfacher: Sich „mal eben schnell“ in ein Meeting einwählen, anstatt ins Auto zu steigen und zum Veranstaltungsort zu reisen, zu skypen, anstatt zu telefonieren. Das alles wird bleiben. Was aber auch bleiben wird, ist die Qualität der analogen Vernetzung. Die Wertschätzung des persönlichen Kontaktes und der direkten Vernetzung. Am Ende werden wir Unterscheidungen vornehmen müssen. Es gibt Formate, die sich sehr gut digital abbilden lassen, zum Beispiel, wenn es um Wissenstransfer geht. Aktuelle Infos zum Kurzarbeitergeld – um bei dem Beispiel zu bleiben – kann man sehr gut digital darstellen. Da kann ein Dozent im Zweifel mehrere Hundert Menschen auf den Stand der Dinge bringen. Sobald es aber um zwischenmenschliche oder kreative Anforderungen geht, wird der persönliche Kontakt wohl auch künftig das Mittel der Wahl sein.

Das vollständige Interview ist in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaft aktuell zu finden.

Quelle Wirtschaft aktuell COE/ST/MS/WAF IV/21 Interview RFS Mediagroup Michael Terhörst