WVS-Umfrage: Die Wirtschaft im Kreis sorgt sich zwar, bewahrt aber ihr Grundvertrauen! Apokalypse? Nein danke!

Die Unternehmen im Kreis Steinfurt machen sich Sorgen, sind allerdings von einer Weltuntergangsstimmung noch ein gutes Stück entfernt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftsvereinigung Steinfurt sowie des Unternehmernetzwerks Laer. Gut 200 Unternehmen unterschiedlichster Größen gaben jetzt Auskunft. Die Idee, mal bei den Betrieben nachzufragen, wie sie die Coronakrise bisher verkraften und was sie erwarten, hatte der Geschäftsführer des Laerer Soft- und Hardware-Herstellers Welotec und Mitbegründer des Unternehmernetzwerks Laer (UNL), Dr. Reinhard Lülff. Zunächst indes nur auf Laer beschränkt. Als Heiner Hoffschroer, Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Steinfurt (WVS) davon hörte, stieg er kurzfristig mit ein und erweiterte die Blitzumfrage auf den gesamten Kreis Steinfurt. Gut 200 Unternehmen, davon alleine 50 aus Laer, beantworteten den unkomplizierten E-Mail-Fragebogen – und lieferten damit einen durchaus belastbaren Branchenquerschnitt sowie einen Eindruck, wie es der Wirtschaft im Kreis derzeit geht. „Da waren wirklich alle Unternehmensgrößen dabei, vom Ein-Mann-Betrieb bis zum größeren Metallverarbeiter“, sagt Hoffschroer.

„Da waren wirklich alle Unternehmensgrößen dabei, vom Ein-Man-Betrieb bis zum großen Metallverarbeiter.“ Heiner Hoffschroer, WVS-Chef

Eine optimistisch stimmende Erkenntnis für Hoffschroer und Lüllf: Trotz aller Sorgen, ganz besonders in der Gastronomie, herrscht bei vielen noch immer ein solides Grundvertrauen in die gewachsenen mittelständischen Strukturen im Kreisgebiet. Dieses Grundvertrauen basiere, so Hoffschroer, auf die Leistungsfähigkeit der vergangenen Jahre und bilde gleichzeitig das Fundament für eine solide Erholung nach Corona. „Es wird leider auch einige Verlierer geben“, weiß der WVS-Chef, „aber insgesamt sein man hier vergleichsweise gut aufgestellt.

Kreisweit melden 93 Prozent der Betriebe, dass sie von Corona betroffen seien. Insgesamt 77 Prozent befürchten zwar einen pandemiebedingten Umsatzrückgang, allerdings „nur“ 27 Prozent glauben, dass dieser Rückgang mit über 25 Prozent gravierend ausfallen werde. In gut 60 Prozent aller Unternehmen gibt es aktuell Kurzarbeit.

Dass die Corona-Soforthilfe zwischen 9000 und 25 000 Euro auch im Kreis Steinfurt ganz erheblich zur Linderung der Krise beigetragen hat, ist unbestritten: 67 Prozent der Betriebe nahmen sie in Anspruch. „In Zahlen ausgedrückt, sind das etwa 8000 Unternehmen“, sagt Heiner Hoffschroer. Reinhard Lülff ergänzt, dass „die schnelle und unbürokratische Auszahlung Vertrauen geschaffen hat.“ Dazu habe er etliche Rückmeldungen erhalten.

KfW-Kredite nahmen bisher nur gut zwölf Prozent der Firmen in Anspruch, „da herrscht die Skepsis vor, zum Spielball von Finanzjongleuren zu werden“, so Hoffschroer. Außerdem verfügten viele inhabergeführte Mittelständler wohl auch über ein Polster, das ihnen jetzt helfe. Die Rolle der Hausbanken beurteilen die Unternehmen recht emotionslos; man arbeite insgesamt reibungslos zusammen, empfange aber auch keine Wohltaten.

Befürchtet werden vor allem eine coronabedingt geringere Produkt- oder Dienstleistungsnachfrage, Krankheitsausfälle, anhaltende Schließungen (vor allem in der Gastronomie), fehlende Waren, weitere Absagen von Veranstaltungen aller Art sowie von manchen Firmen auch Liquiditätsengpässe. Trotzdem glaube nur 28 Prozent, dass die wirtschaftliche Lage für ihr Unternehmen dauerhaft schlecht bleibe.

Die Digitalisierung schreitet im Übrigen erwartungsgemäß auch bei den Unternehmen im Kreis rasant fort. Und ansonsten rät ein Firmeninhaber lapidar: „Einfach mal ruhig bleiben und abwarten, anstatt ständig alles zu kommentieren!“

Bild: Dr. Reinhard Lülff, Geschäftsführer der Firma Welotec (l.), Heiner Hoffschroer (WVS)

Quelle: Westfälische Nachrichten

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